Oskar Niemeyer, Wir müssen die Welt verändern

Buchbesprechung

Der Architekt Oskar Niemeyer, geboren 1907 in Rio de Janeiro, hat mit 104 Jahren kurz vor seinem Tod im Dezember 2012 über sein Leben und seine Arbeit gesprochen. Seine Gedanken, 2012 erschienen und seit 2013 auf Deutsch verfügbar, gelten über das Erscheinungsjahr des Bändchens hinaus und beinhalten Impulse für heute.

Niemeyers Arbeitsweise

Niemeyer hat Zeit seines Lebens erst in Gedanken gezeichnet. Neben dem Respekt vor dem Leben, der dazu führt, das der Architekt in seinen Bauten immer den Menschen mitdenkt, ist ihm die Erziehung als zweiter Leitgedanke für eine Gesellschaft der Zukunft wichtig. Sein kreativer Prozess verläuft scheinbar mühelos und die Arbeiten entstehen in einer Atmosphäre der Lebensfreude.

Niemeyers Architektur

Die Regeln von Gleichgewicht, Proportion und Harmonie gelten für ihn universell. Dem Architekten ging es immer darum, dass „auch die Architektur durch das Unerwartete Überraschung und Staunen auslöst“. Schönheit und Kunst spielen die zentrale Rolle. Er schafft in seiner Architektur Gebäude, in der auch Menschen aus Mathematik, Musik oder bildender Kunst „ihre“ Regeln erkennen. Niemeyers „Weglassen des Überflüssigen“ führt aber nicht geradewegs zum Bauhaus, denn er will nicht „Massenfertigung“ sondern Einmaligkeit in der Verbindung von Gebäude und Raum in Interaktion mit den Menschen.

Auch heute gültig

„Auch Schönheit ist nützlich“, sagt Niemeyer, denn sie hat in längst anders genutzten Gebäuden überlebt. Während sich also der Nutzen ändern kann, überdauert das, was den universellen Gesetzen der Schönheit entspricht. Diese Schönheit zeigt sich beispielsweise in den Regeln des Goldenen Schnitts, im Wechsel von Fülle und Leere, Hell und Dunkel. Architektonische Gestaltungsdetails als Symbole, z.B. niedrige Eingänge zu Gotteshäusern, Schwellen usw. erhoben die Architektur immer schon über das Bauen als solches hinaus.

Wie bauen wir heute unsere Welt mit den Erfahrungen aus Trump und Corona, Wirtschaftsumbrüchen und Extremismus, in der Bildung abgehängten sozialen Schichten und Umweltpolitik, in Deutschland aber auch mit der Erfahrung der Fülle? Dieses „Bauen“ kann und tut jede und jeder von uns, täglich. Unsere Handlungen scheinen klein und unbedeutend, haben aber immer eine Wirkung.

Vielleicht ist am besten die Lebensfreude übertragbar. Sie ist langfristiger als Spaß, Begeisterung oder Glück. Und wenn dann noch die Atmosphäre aus Lebensfreude besteht, reicht sie über das Individuum hinaus.

Ihre Gudula Buzmann

Oskar Niemeyer, Wir müssen die Welt verändern
Persönliches Nachwort von Alberto Riva
Verlag Antje Kunstmann
Gebundene Ausgabe: ISBN 978-3-88897-871-5

Oskar Niemeyer, Wir müssen die Welt verändern

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