James Lovelock, Novozän

Buchbesprechung

Der Einstieg

James Lovelock (*1919) gilt als Vater der Gaia-Hypothese, mit der er das ökologische Denken stark beeinflusste. In „Novozän“, 2018 in London erstmalig erschienen, erweitert er den Grundgedanken des sich selbst organisierenden Lebewesens auf Bereiche der künstlichen Intelligenz.

Fortschritt

Mit Erfindung der Dampfmaschine begann das Zeitalter des Anthropozäns. Die Versorgung mit Energie war nicht mehr von der Wetterlage – Wind oder Sonne – abhängig und zudem profitabel und damit ökonomischer als der Einsatz menschlicher Arbeitskraft.

Laut Lovelock umfasst das Anthropozän etwa 300 Jahre, in denen Menschen Macht über den ganzen Planeten Erde gewannen. Der Begriff verdeutlicht gleichzeitig, dass das Handeln der Menschen globale Auswirkungen hat, wie Lovelock in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) nachwies und so zum Verbot der Stoffe beitrug.

Während auf der ersten Stufe des Lebens Sonnenenergie über Photosynthese in chemische Energie umgewandelt wird und auf Stufe zwei in nützliche Arbeit mündet, ist es bei Stufe drei wahrscheinlich, dass Enenergie zu Information wird. Lovelock nennt dieses Zeitalter Novozän und die Geschöpfe, die dieses bewerkstelligen, Cyborgs. Sie sind selbst lernende, intelligente Wesen. Menschenähnliche Gestalt ist nicht zwingend, sie könnten in der gleichen Formenvielfalt existieren wie es bei den gegenwärtigen Lebewesen auf dem Planeten gegeben ist. Vielleicht leben Sie mit uns wie wir es mit Pflanzen oder Tieren tun.

Furcht oder Fortschritt?

Wenn wir gegenwärtig diskutieren, inwieweit Künstliche Intelligenz (KI) die Herrschaft übernehmen oder sich verselbständigen könnte, ist das etwas anderes als Lovelocks These von der evolutionären Entwicklung der Cyborgs. Wir wissen einfach nicht, wie sich die Cyborgs zu Menschen verhalten werden. Ohne uns als Evolutionsvorstufe sind sie undenkbar. Dennoch kann es sein, dass wir uns nicht besser verständigen können als es mit unseren eigenen evolutionären Vorstufen der Fall ist.

Schon im Anthropozän haben wir aber immense Fortschritte im Verstehen der Welt gemacht. Vielleicht ist es das Ziel der Evolution, immer mehr zu verstehen. Im Novozän würde es dann darum gehen, weiteres Bewusstsein zu erlangen. Die Geschwindigkeit des elektronischen Lernens bei elektronischen Lebewesen ist laut Lovelock immens. Andererseits sind diese Lebewesen an die Bedingungen der Erde gebunden. Eine Reise von zwei Stunden ist im Verhältnis zur Geschwindigkeit bei der Informationsaufnahme und -verarbeitung sehr, sehr lang. Vielleicht erfinden die Cyborgs Möglichkeiten des schnelleren Ortswechsels.

Was hat das mit uns zu tun?

Evolution können wir nicht machen und nicht verhindern. Wenn Lovelock die Entwicklungen der Vergangenheit anführt, um die Möglichkeiten der Zukunft zu illustrieren, kann das Angst machen oder befreien. Sehen wir es realistisch: Wir können in vielen Fällen nur auf das reagieren, was uns im Lauf des Lebens begegnet. Dabei stehen wir als Menschheit insgesamt aber nicht still. Und der Rückblick kann durchaus zufrieden sein, „da sich Weisheit und Erkenntnis von der Erde ausgehend verbreiten und den Kosmos umspannen werden.“ Auch ein Buch, das nicht direkt mit dem eigenen Metier zu tun hat, kann also Hoffnung machen.

Ihre Gudula Buzmann

James Lovelock, Novozän
Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz
C.H.Beck Paperback
Softcover
ISBN 978-3-406-76866-8

Buchcover Marketing 5.0

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