Wolfgang Huber, Menschen, Götter und Maschinen

Buchbesprechung

Nach Wolfgang Huber hängt der Blick auf Menschen unter anderem mit dem Stand von Wissenschaft und Technik zusammen. Im Zeitalter der Dampfmaschine war er mechanistisch geprägt, später durch die Brille der Genetik, heute von Algorithmen.

Digitales Zeitalter

Während 1993 nur 3 Prozent der globalen Informationskapazität in digitaler Form verfügbar waren, lag der Wert 2002 bei über 50 und 2007 bei 94,5 Prozent. Mit dieser „Wasserscheide lässt sich der Übergang zum digitalen Zeitalter plausibel kennzeichnen.“ Auf diese Weise stehen Informationen nahezu jederzeit überall zur Verfügung, werden aber weniger gut gemerkt und in der Folge findet auch die kritische Auseinandersetzung damit nicht mehr statt.

Sprache beeinflusst Wahrnehmung

Der Autor, Professor für Theologie und ehemaliger Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, verweist auf Wortwahl und Wortschöpfungen. Die digitale Seite wird mit menschlichen Begriffen benannt. Doch die soziale Seite der „sozialen Medien“, das Wesen von Intelligenz im künstlichen und menschlichen Umfeld, die Bedeutung von Autonomie im Vergleich von Menschen und Fahrzeugen (autonomes Fahren) werden Sprachgebrauch und immer seltener hinterfragt. Das führt schleichend zu veränderter Wahrnehmung, denn „der Begriff der Autonomie [suggeriert] bei seiner Anwendung auf Geräte eine dem System innewohnende moralische Kompetenz“ mit der Folge, dass sich die menschliche Kontrollinstanz aus der Verantwortung befreit.

Ethik der Digitalisierung

Die Geschwindigkeit technologischer und besonders auch digitaler Entwicklungen lässt den Eindruck entstehen, man käme gar nicht mehr hinterher mit Regulierung und Datenschutz, Kontrolle digitaler Transformation und aktueller Gesetzgebung. Dabei stammen Isaac Asimovs „Robotergesetze“ aus dem Jahr 1942. Laut Huber könnten sie heute als Maßstab für Programmierer gelten, ohne den Menschen aus der Verantwortung für Nutzung und Folgen digitaler Anwendung zu entlassen.

Homo Deus?

Im Abschlusskapitel setzt sich Huber mit dem von Yuval Noah Harari beschriebenen „Homo Deus“ auseinander. Der Weg zur Allmacht des Menschen ist nicht so klar vorgezeichnet, wie von Harari postuliert. Huber argumentiert auf breiter Ebene naturwissenschaftlich und theologisch für einen „Humanismus der Verantwortung“ ohne göttliche Überhöhung des Menschen. Eine lohnende Lektüre, unabhängig von der eigenen Konfession.

Ihre Gudula Buzmann

 

Wolfgang Huber, Menschen, Götter und Maschinen.
Eine Ethik der Digitalisierung
Broschur
Verlag C.H.Beck
ISBN 978-3-406-79020-1

Buchcover Menschen, Götter und Maschinen

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