Zuviel ist zuviel

Ein Klick und schon ist die Bestellung raus. Besonders bei steigendem Umsatz ist das schneller geschehen, als man sich den üblichen Rückgang der Nachfrage nach der Hoch-Zeit in Erinnerung gerufen hat. In die normale Bestellroutine haben erfahrene Erfa-Buchhandlungen daher einen frühen Bestellstopp für Lagerbestellungen eingefügt: Mitte Dezember!

Dieser Bestellstopp zwingt dazu, sich vor der letzten Adventswoche Gedanken zu machen, welche internen Bestseller in welcher Stückzahl bis zum 24sten noch über den Ladentisch gehen werden. Diese Stückzahl sollte noch am Lager sein, könnte aber im Bedarfsfall jetzt aufgestockt werden. Erfahrungsgemäß wird sie überschätzt, wenn man bis zum letzten Tag vor Weihnachten ordert. Der Überhang bleibt liegen, ist das tote Kapital des Folgejahres und verstopft die Regale für die Novitäten, die schon bald eintrudeln werden.

Darüber hinaus machen die erfahrenen Buchhandlungen noch etwas anderes: Sie sensibilisieren das Team, welche Titel – und man hat ja nahezu nur gute Titel am Lager – leider bisher untergegangen sind, jetzt aber doch die Chance ihres Titel-Lebens haben, einen guten Platz unter dem Weihnachtsbaum zu bekommen. Diese Bücher werden aus den Regalen geholt und empfohlen oder zumindest auf gute Präsentationsplätze gelegt. Glücklich sind hinterher alle. Die Bücher haben ein neues, schönes Zuhause und landen nicht in der Remission, die Buchhandlung spart sich die Remi-Kosten und wurde ihrem Ruf der besonderen Empfehlungen gerecht. Und die Beschenkten haben ein Geschenk, das sie meist nicht umtauschen (müssen), weil es im Gegensatz zu den Bestsellern nur einmal auf dem Gabentisch liegt.

Und in den Regalen ist wieder Platz. Man darf nun nicht nervös werden, wenn auch die Auslagen im Laden leerer werden. Wie wäre es mit etwas mehr Abstand auf den Rampen? Oder ein gerahmtes „Frohe Weihnachten“ an die Nutwand? Eine Vase mit Tannengrün (ohne Wasser!!!) auf den großen Taschenbuchtisch? So sieht die Buchhandlung gleich anders aus, ohne dass man einen ganzen Tisch oder einzelne Regalbretter in den Keller tragen muss.

Das kann man dann nach Weihnachten tun. Die verbleibende Ware wird neu zusammengestellt und die gesamte Ladenoptik verändert sich. Somit fällt auch nicht auf, dass der Warenbestand deutlich niedriger ist als im Dezember. Lohn der Mühe: Die Inventur geht zügiger und im Frühjahr ist Platz für neue Ware, ganz ohne Remis (na ja, fast ohne).

Zum Weiterlesen:
Meterweise (Umsatz-Flächen-Verhältnis gesamt und für einzelne Warengruppen)
Nebenmärkte im Blick, Teil 1 (Einfluss branchenfremder Mitbewerber auf Sortimentsgestaltung; Teil 2 finden Sie hier)

Volles Bücherregal

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