Zeitlos glücklich?

Ein langes Wochenende, der herbeigesehnte Urlaub – wahlweise Ruhestand – oder sogar die erhoffte Auszeit mit anschließendem Wiedereinstieg: Das alles sind Zeiten, mit denen wir in der Regel hohe Erwartungen verbinden. Wir wollen uns erholen (möglichst effektiv), wollen Neues erleben (möglichst viel), entschleunigen (möglichst rasch) und endlich das tun, was wir vor uns hergeschoben haben. Und dann sind wir genau dort und erholen uns doch nicht, für Neues fehlt der Schwung, wir kommen nicht zur Ruhe und wissen vor lauter Optionen nicht mehr, was wir wollten.

In der Buchbesprechung „Alle_Zeit“ ist vom täglichen „Zeitkonfetti“ die Rede. Diese Schnipsel nicht verplanter Alltagszeit entstehen zufällig – man ist pünktlich vor der Schule, aber das Kind ist noch nicht in Sicht – oder als Zwischen-Zeiten geplanter Zeit – der vorherige Termin endet um halb, der neue beginnt erst zwanzig vor. Gemeinsam ist den Schnipseln, dass man nicht wirklich Erholsames damit anfangen kann, sie sich aber über den Tag verteilt ganz schön summieren.

In vielen Fällen greift man zum Handy, checkt schnell noch die üblichen Kanäle, schreibt eine kurze Nachricht oder trifft die nächste Verabredung. Addieren Sie spaßeshalber einmal die Minuten, die Sie auf diese Weise in der privaten Zeit arbeitend verbringen oder mit privater Aktivität am Arbeitsplatz. Das kann erhellend sein. Wa kann man aber sonst tun?

Machen Sie sich anhand Ihrer Wünsche für Wochenende, Urlaub, Ruhestand oder Sabbatical eine (innere) Liste, am besten so formuliert, wie es Kinder unter 10 Jahren noch tun: Abenteuer, was Süßes, Chillen, in den Tierpark – was immer Ihnen natürlich an eigenen Vorlieben einfällt. Werden Sie nicht zu konkret, bleiben Sie auf der Meta-Ebene.

Und dann erfüllen Sie sich den Meta-Wunsch in Ihrem nächsten Zeitkonfetti-Schnipsel. Beim Chillen beispielsweise vergisst man die Zeit, entspannt sich und schaut auch mal Löcher in die Luft. Also vergessen Sie beim nächsten Warten auf den Nachwuchs die Zeit, entspannen Sie Ihre Gesichtsmuskulatur (und die Schultern am besten gleich mit) und schauen Sie Löcher in die Luft. Ihr Kind wird Sie schon finden.

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