Urlaub in Antwerpen – und Sehnsucht nach einer Linde

Bei mir gegenüber wurden vor einigen Jahren ein Feld, ein knorriger Birnbaum und ein bepflanztes Straßenrand-Beet samt Linde einem Neubaugebiet geopfert. Der neue Lärmschutzwall und überhöhte Geschwindigkeit sorgen seitdem gerade auf unserer Seite für mehr Lärm, Druckwellen und mehr Müll am Straßenrand (fairerweise sei gesagt, dass sich dieser wohl zuvor auf dem Feld verteilt hat). Die Fläche im Neubaugebiet ist zudem stark versiegelt, sodass sich der Temperaturunterschied deutlich bemerkbar macht und die Luftqualität sich ebenso deutlich verschlechtert hat.

Dabei ginge es anders, sogar in dicht besiedelten Großstädten. Das zeigt „Cycling Cities“, ein Film über Paris und andere Städte, die die Autozentriertheit zurückgefahren und die Stadt für alle anderen Formen der Fortbewegung angenehmer gemacht haben: zu Fuß, per Rad, auf dem Roller und mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die nicht mehr im Autostau steckenbleiben.

Im Juli habe ich einen Tag in Paris und anschließend ein paar Tage in Antwerpen verbracht, ebenfalls eine Stadt mit ausgewiesenen Fahrradstraßen und reduziertem Autoverkehr. Ich musste mich zugegebenermaßen daran gewöhnen, bei jedem Überqueren einer Straße auch die Fahrrad-Straßen im Blick zu behalten. Trotz heißer Sommertage gab es aber zwischen den Häusern in der Innenstadt immer wieder genug Schatten, denn Straßen müssen nicht so breit sein, wenn weniger Autos zugelassen sind. Zwischen der Fahrbahn für Kraftfahrzeuge und der Fahrradstraße gab es oft einen baumbestandenen Grünstreifen. Auch im Fußgängerbereich war der Teil für Fahrräder und Roller gut zu erkennen, und vor allem breit genug, um als Radler bei Gegenverkehr nicht immer ausweichen zu müssen.

Bänke im Schatten von Bäumen? Überall zu finden. Basketballfelder? Ich habe mehrere gesehen, die vormittags den Wochenmarkt beherbergten und abends kräftig bespielt wurden. Parks? Ebenfalls vorhanden. Sogar der Zoo befindet sich im Zentrum direkt neben dem sehenswerten Hauptbahnhof. Mir war die „coole Stadt“ von mehreren Menschen empfohlen worden und ich werde sicher wiederkommen, sehr gerne.

Bei uns im Dorf hätte die Linde nicht gefällt werden müssen. Dem Ort täte ein flächendeckendes Tempo 30 mit entsprechenden straßenbaulichen Veränderungen gut, ganz zu schweigen von einem (Rad-)Weg, der die Überquerung der angrenzenden Bundesstraße nicht mehr zu einem Sprint werden lässt. Vielleicht nehmen wir uns ja ein Beispiel an den erfolgreichen Großstädten.

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