Mental gut durch's Weihnachtsgeschäft
Gerade vielbeschäftigte Menschen – und vor allem Frauen – machen sich jetzt oft zusätzlich Druck. Sie wollen vor dem 1. Advent, wahlweise dem 2., 3., 4., dies, jenes oder noch ein Drittes unbedingt fertig haben, in der Erwartung, dann die ersehnte Ruhe oder zumindest zeitlich die dringend nötige Entlastung zu bekommen. Die Erfahrung – auch die Erfahrung der betreffenden Personen – lehrt, dass das Vorhaben so gut wie nie klappt.
Mental haben sich Vielbeschäftigte auf den zeitlichen und inhaltlichen Druck längst eingestellt. Bliebe dieser Druck aus, weil man wirklich einmal alles gemäß Plan geschafft hat, melden sich mit Sicherheit weitere Aufgaben, sodass Zeit und Entlastung wieder einmal in die Zukunft verschoben werden. Bei anderen kommt schon vor dem anvisierten Termin immer etwas dazwischen, das Ziel kann gar nicht mehr erreicht werden. Hier könnte es sein, das unbewußt geahnt wird, mit der gewünschten freien Zeit oder der leeren To-do-Liste gar nichts anfangen zu können, sich vielleicht sogar nutzlos zu fühlen. Oder sich plötzlich Gedanken über sich selbst zu machen, über Probleme, die einem bedrohlich erscheinen und die man vermeiden möchte.
Wer sich darauf einlassen möchte, mit weniger Druck zu leben, muss klein anfangen und sich vor allem klar machen, dass ein „Fertig“ für Vielbeschäftigte so unrealistisch ist wie ein „Satt“ für Nimmersatte. Was also ist „klein anfangen“?
- Einen Punkt von der To-do-Liste streichen oder von der perfekten Version entfernt bleiben. Spüren, was es mit dem eigenen Gefühl macht. Die Unsicherheit aushalten. Sich fragen, wie relevant alles noch in einem Jahr sein wird. Wenn das Aushalten zu schwer wird: spazierengehen, ein Telefonat führen, einen Kopfstand machen und alles mal aus anderer Perspektive betrachten.
- Einmal nicht zuerst „hier!“ schreien. Wenn Aufgaben verteilt werden, in Ruhe bis 10 zählen. Auf die Reaktion der Anderen warten. Ihnen Zeit geben. Vielleicht müssen sie noch etwas überlegen, bevor sie sich melden. Vielleicht auch bis 20 zählen. Atmen.
- Von hinten denken: Was würde man tun, wenn eine gute Fee alle To-dos auf das Beste erledigt hätte? Man hätte genau die Zeit und die Entspannung, die man haben will. Spüren, welche Gefühle diese Aussicht auslöst. Wird man unruhig? Kann doch nicht sein, dass jetzt alles erledigt ist? Wir können mental in die Zukunft gehen. Also stelle man sich den ersehnten Zustand immer wieder vor, ohne gedanklich aktiv zu werden. Oder wie Loriot so schön formulierte: „Ich will doch einfach nur sitzen.“ Auch das kann man üben.