Wegweisend

Reise des Helden / der Heldin

In Romanen, Filmen, Märchen, in Musik, Sagen und der Bibel ist davon die Rede. Heldenreisen werden spektakulär erzählt oder spielen sich innerlich ab. In Mozarts Zauberflöte muss Tamino standhaft und schweigsam sein und zeigt dadurch innere Reife. In Märchen müssen Drachen getötet werden, um zu erlösen. Aber auch die Schwester zieht aus, um Brüderchen auf ihre Weise zu retten. Im Film „Chocolat“ muss die Heldin immer wieder aufbrechen, bis sie sich am Ende entscheidet, angekommen zu sein. Die Tragik des Scheiterns ist inbegriffen. Wo Romane über gescheiterte Existenzen enden, zeigt uns vor allem die Bibel, dass es auch nach dem Scheitern weitergehen kann.

Jede Heldin, jeder Held hat eigene Aufgaben, die zu einem neuen Leben, einer neuen Lebensgrundlage führen. Diese Situation ist auf die Gegenwart übertragbar. Die Gemeinsamkeit der Anstrengungen – bei aller Verschiedenartigkeit der Maßnahmen – ist das Bestreben, das Lebenswichtige zu erhalten (durchaus im doppelten Sinn gemeint): ob Gemeinschaft oder Einkommen, das Reisen oder das Gefühl der Sicherheit, die Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit oder eine bessere Welt.

Wie aber Heldinnen und Helden an Hindernisse stoßen, neue Wege finden müssen, bisherige Waffen plötzlich nicht mehr nützen oder im letzten Moment Hilfe auftaucht, geht es auch uns. Eines aber tun die Heldinnen und Helden der Bibel, aus Sagen und Märchen, Filmen und Opern nicht: Nach der Aufgabe zuhause das alte Leben wieder aufnehmen. Sie haben ein neues Leben und wenn nicht, sind sie zumindest innerlich verwandelt.

Das gelingt, wenn man die Basis des Lebenswichtigen jenseits der Oberfläche erkundet. Wie gestaltet sich Gemeinschaft (das Ziel), wenn der bisherige Weg versperrt ist? Welche Leistungen können zu Einkommen führen, wenn nicht klar ist, ob das Unternehmen so bleiben kann? Warum liebt man das Reisen und wie kann der Grund dieser Liebe im Lockdown gelebt werden? Können Telefonate, Briefe oder Tagebuch-Erinnerungen an eigenes Durchhalten das Gefühl der Unsicherheit mildern? Wie kann man selbstbestimmt leben unter der Nebenbedingung, dass wir weiterhin viele Vorgaben von öffentlichen Stellen bekommen?

Eine Etappe meiner eigenen Reise hat gezeigt, dass ich „Proviant“ vergessen hatte: meine Gartenarbeit. Sie ist den (vermeintlichen) Anforderungen der neuen Lage zum Opfer gefallen. Daher achte ich wieder auf „Erdung“ und werde jetzt im Herbst Sonnenstrahlen sammeln, ganz wie die Maus Frederick im Bilderbuch von Leo Lionni. Also gehen Sie an Ihren Bücherschrank oder das Filmregal, öffnen Sie die Schublade mit den alten CDs oder leihen Sie sich das Bilderbuch Ihrer Enkelin. Es könnten Wegweiser sein.

Bleiben Sie gesund und hoffnungsvoll! Ihre Gudula Buzmann

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