Kunst über Kunst

Aus Kunst für das Leben lernen

Wenn die To-do-Liste zu lang wird und man überall gleichzeitig anfangen könnte, empfehle ich gerne Bücher. Nein, nicht die über besseres Zeitmanagement oder die neueste Methode, die Work-Life-Balance zu optimieren. Es sind „Kunst aufräumen“ (Ursus Wehrli), „Wie Kunst ihr Leben verändern kann“ (Alain de Botton) und „Monas Augen“ (Thomas Schlesser).

„Kunst aufräumen“ nimmt bekannte Gemälde auseinander. Wir sehen Breugels leeren Dorfplatz und den Berg der Einzelheiten, die ihn auf dem Original bevölkern. Man kann sich die Freude gönnen, die Elemente im Gesamtbild zu entdecken – beim erwähnten Dorfplatz, bei Miro und Macke, bei Kandinsky, Magritte und vielen anderen. Man wird routiniert im Dissoziieren, was durchaus bei Fragen des (beruflichen) Alltags helfen kann.

Nicht nur Gemälde, sondern auch Kinderbücher, Skulpturen, Fotografisches und Architektur werden in „Wie Kunst Ihr Leben verändern kann“ mit psychologischem Tiefgang analysiert. Und auch hier hilft uns die doppelte Meta-Ebene, die eigenen Lebensaufgaben, beruflich und privat, aus neuer Perspektive zu betrachten. Wir wissen vielleicht, dass die eigene Reaktion auf sogenannte Umstände nicht der Maßstab sein muss. Lesend und betrachtend halten wir anderes Verhalten dann auch bei uns für möglich – vielleicht mit ein bisschen Übung.

Im Roman „Monas Augen“ wird ein erblindendes Mädchen von ihrem Großvater Woche für Woche zu einem anderen Kunstwerk geführt, das sie betrachten und auf sich wirken lassen soll. Der Großvater möchte ihr die Schönheit vermitteln, die ganze Schönheit der Welt, die sie in sich aufnehmen soll, bevor sie nichts mehr sehen kann.
Auch ohne drohende Krankheit kann man Schönheit immer wieder bewusst ich sich aufnehmen. Gestresst, weil der Zug Verspätung hat und man den Anschluss verpasst? Wie schön kann die vorbeifliegende Landschaft sein, wie ästhetisch sind die Linien der Hügel und wie leuchtet gerade jetzt im Frühling das frische Grün der Wiesen, der erste Schimmer auf den Bäumen.

Ob lange To-do-Liste oder generell mehr Freizeitbedarf: Meine Empfehlung lautet stets, einen Schritt zurückzutreten. Bilden Sie Gleichteil-Häufchen, um Strukturen zu erkennen. Glauben Sie daran, dass Sie mehr sehen, wenn Sie nicht im Bild Ihres Lebens versinken. Und suchen Sie nach einem Funken Schönheit, der Ihre Seele inspiriert.

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