Gemeinsam statt allein
Im Mai halte ich beim „Libri.Campus live“ einen Impulsvortrag. Als wir vor einiger Zeit das Thema fixierten, pendelten wir zwischen den Schwerpunkten Nachfolge, Mitunternehmertum, Stellvertretung. Was ist wichtiger?
Muss man das überhaupt entscheiden? Wer glaubt, er oder sie könne komplexe Probleme im Alleingang lösen, bleibt unter den eigenen Möglichkeiten. Mit Üben und Erfahrung kann man zwar innerhalb eines Entscheidungsprozesses immer routinierter die Perspektive wechseln, doch je komplexer die Herausforderungen, desto weniger Anteil erfassen wir überhaupt. Das beantwortet schon einen Teil der obigen Frage: Wichtig ist, möglichst viele Perspektiven zu berücksichtigen.
Verderben nicht viele Köche den Brei? Vielleicht. Doch die Berücksichtigung von Perspektiven heißt noch nicht, dass alle immer gleich gewichtet in jede Entscheidung einfließen. Wenn ich mit zwei oder drei Mitunternehmenden ein Unternehmen führe, ist jede/jeder irgendwo besonders gut und hat gleichzeitig einen Blick für das Gesamtunternehmen. Klarheit über die Ziele – Wo wollen wir hin – gibt die Freiheit, im „Wie“ flexibel zu bleiben. Diese Flexibilität ist heute für Unternehmen überlebenswichtig und darf nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden.
Ich bin der Ansicht, dass Stellvertretung und Nachfolge lediglich Begriffe für Stufen des Mitunternehmertums sind. Teil-Verantwortung oder Geschäftsführung sind weitere Stufen. Talentförderung könnte der Einstieg sein. Als strukturierter Prozess mit flexibler operativer Ausgestaltung stellt er Unternehmen krisensicher auf, jetzt und in Zukunft.