Gekonnt filialisieren

Eins ist sicher: Buchhandlungen sind „Ankermieter“ in fast allen Ortsgrößen. Sie werten den Ort auf, ziehen andere Einzelhandelsunternehmen an oder verhindern zumindest das endgültige Veröden des Zentrums.

Gleichzeitig gehen auch im Buchhandel Babyboomer verstärkt in Rente. Wenn keine direkte Nachfolge in Sicht ist, lohnt sich eine erweiterte Perspektive auf benachbarte Orte und dort ansässige Unternehmer*innen. Warum soll nicht der Schreibwarenladen, der bisher nur Schulbuch gemacht hat, die Buchhandlung als Filiale attraktiv finden und auf diese Weise diversifizieren? Oder als Unternehmer*in schaut man selbst ins Umland: Wer geht wann vermutlich in den Ruhestand und hat vielleicht Interesse, die Buchhandlung an mich zu verkaufen?

Filialisierung ist kein Heilmittel für Probleme, die man auch auf der Ebene des Hauptgeschäfts lösen könnte und sollte: Personaleinsatzpläne, Liquidität, Geschäftsideen. Eine Filiale lohnt sich jedoch, wenn der Ertrag die zusätzlichen Kosten deckt (Kapitalkosten, Miete, Personal und erweiterter Einkauf) und darüber hinaus ein Beitrag zur Deckung der bisherigen Fixkosten übrigbleibt. Anders formuliert: Die Filiale muss sich mindestens selbst tragen und auf der Seite des Hauptgeschäfts sollte mindestens die Handelsspanne durch bessere Konditionen aufgrund des höheren Einkaufsvolumens profitieren. Ceteris paribus versteht sich = die Arbeit der Chef*innenetage wird sich inhaltlich zwar ändern, sollte stundenmäßig im Durchschnitt aber auf keinen Fall steigen. Und Filialisierung lohnt sich, wenn der bisherige Standort unsicher geworden ist, ohne dass man etwas dagegen tun konnte. Dann ist die Risikostreuung durch den Zukauf eines gesunden Unternehmens auf jeden Fall eine gute Wahl.

Hier geht es zur Podcast-Folge zum Thema Filialisierung.

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