Worte wählen

Wir waren gemeinsam essen: ein Salat, ein Schnitzel, zwei große Pasta. Denn "Der Salat, das bin ich!" tönte es auf die Frage nach dem Besteller des Gerichtes.

Was in diesem Fall des genauen Hinhörens amüsiert – und Eingang in einen beliebten Witz gefunden hat –, kann in anderen Fällen des wörtlich Nehmens das Leben kosten. Eine mancherorts gängige Redewendung für „genauer kann ich es nicht sagen“ lautet „schlag mich tot“. Jedem sprachaffinen Menschen stockt dabei das Herz. Gedankenlos wird gesagt, was nicht gemeint sein kann.

Die Redewendung hat nicht nur Einfluss auf Zuhörende sondern viel mehr noch auf die Sprecherin bzw. den Sprecher. Menschen, die diese Redewendung nutzen, erlauben ja quasi, sie für Unvollkommenheit mit dem Tod zu bestrafen. Während die Einen sich daher „kleinreden“, sich verbal ducken, damit man von der Strafe absehen möge, gehen die Anderen in die Offensive, legen Druck auf die Stimme und vertreten ihren Standpunkt mit vordergründiger Vehemenz.

Um dauerhaft umzuschalten, sollte man die Redewendung, wenn sie denn entschlüpft ist, bewusst wahrnehmen. Im nächsten Schritt wird man dann kurz stocken BEVOR man die Worte sagt und sie vielleicht durch „genauer kann ich es nicht sagen“ ersetzen. Denn Worte verändern das Leben.

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